04.10.2022

Informatives über die Straussenzucht und die Verarbeitung der Straussen-Eier sowie des Straussen-Leders

Andy Barmettler begrüsst uns alle herzlich auf seinem Hof Mittler Ägerten in Ennetmoos. Er stellt uns seinen Betrieb vor, den er zusammen mit seiner Frau Sibylle und den vier Kindern, sowie mit seinen drei Brüdern bewirtschaftet. Nach der Hof-Übernahme von seinem Vater, der neben der Milchwirtschaft auch Legehennen hielt, stellte Andy den Betrieb vollumfänglich auf die Haltung von Legehennen und das Eiergeschäft um. Im Rahmen seiner Zweitausbildung zum Geflügelzüchter und -meister wurde er auf die Straussenaufzucht aufmerksam. Die exotischen Tiere faszinierten und interessierten ihn sofort und so setzte er diese Idee im Jahre 2006 als betrieblichen Nebenerwerbszweig um. Beim Straussenstall und den grosszügigen Freilauf-Gehegen werden wir von den imposanten, schnellsten Laufvögeln der Welt (60 – 70 km/h) mit ihren grossen Augen und „Wimpernklimpern“ neugierig begrüsst. Mit ihrer Grösse von bis zu 3 Metern und einem Gewicht von 100 – 120 kg sind sie äusserst beeindruckend und lassen uns einen gewissen Sicherheitsabstand zum Zaun halten! Andy versichert uns, dass die Strausse sehr ruhig, grundsätzlich friedlich und keineswegs bissfreudig seien, jedoch vermeintliche Feinde mit Fusstritten schwerst bis tödlich verletzen könnten. Auf der Straussenfarm Ennetmoos leben gegenwärtig rund 70 Tiere aus eigener Aufzucht in drei verschiedenen Zuchtgruppen. Im Alter von zwei Jahren sind die Strausse geschlechtsreif und bei den Hähnen wechselt damit das Federkleid von grau auf schwarz, die Hennen bleiben zeitlebens grau. Interessanterweise legen die Straussenhennen ihre Eier nur während der warmen Jahreszeit.

Ein Tier liefert rund 30 – 40 kg Fleisch, das direkt vom Hof vermarktet wird. Aus den Eiern werden Straussen-Nudeln und Straussen-Meringues hergestellt und aus den Eierschalen entstehen ganz spezielle Lampen. Die Straussenhaut wird gegerbt und das Leder zu Gebrauchsgegenständen verarbeitet. Die Federn sind, im Gegensatz zu früher als Straussenfeder-Boas noch en Vogue waren, heute leider nicht mehr gefragt. In schönster Abendstimmung verabschieden wir uns von den Publikumslieblingen und verschieben uns ins Reich der Legehennen. Andy betont, dass er und seine Familie im Hauptgeschäft Dienstleister im Eierbereich seien. Auf dem Betrieb Mittler Aegerten werden ca. 9400 Legehennen gehalten, und nochmals ca. gleich viele an einem zweiten Standort in Obwalden. Die Legehennen leben ausschliesslich in Freiland- und Wintergartenhaltung (Loggia). Die Aufzucht der Küken erfolgt bis zum Alter von 18 Wochen auf einem benachbarten Zuchtbetrieb. Viele Hühner legen viele Eier – und so führt uns Andy in den Verpackungsraum. In einer Universalmaschine werden die Eier automatisch gewogen, durchleuchtet, kontrolliert und entsprechend sortiert. In zwei Verpackungsautomaten werden sie in Kartons oder Schachteln gelegt und zur Auslieferung an Geschäfte, Grossverteiler, Gastronomie, Private etc. fertiggemacht. Nebst frischen Eiern werden auch gekochte und gefärbte Eier angeboten. Selbstverständlich stellte sich auch die Frage nach den weissen und braunen Eiern. Andy konnte das Geheimnis lüften: Hühner mit weissen Ohren legen weisse Eier – Hühner mit roten Ohren braune! (Für einige von uns war es neu, dass auch Hühner Ohren haben!!!) Da das Ei ein Naturprodukt ist gibt es immer wieder Exemplare, die nicht der Norm entsprechen oder deren Schalen Risse aufweisen etc. Diese Eier werden selbstverständlich auch verwertet. Andy lässt uns einen Blick in den absoluten Hygienebereich, den Aufschlagraum, werfen. Hier wird Eimasse hergestellt, die vor allem an Bäckereien, die Gastronomie und insbesondere an Salatsaucenhersteller Bruno’s Best geliefert wird. Das Aufschlagen der Eier, das früher in mühsamer Handarbeit durch die Mutter von Andy gemacht werden musste, erledigt heute eine Maschine. Anschliessend werden die Eier in zwei je 1000 Liter fassenden Tanks gerührt, auf 65 Grad erhitzt, abgekühlt und somit pasteurisiert, keimfrei und haltbar gemacht. Wöchentlich werden allein für Bruno’s Best 60000-80000 Eier zu 3-4 Tonnen Eimasse verarbeitet. Um die enorme Nachfrage zu decken, werden zu diesem Zweck „Ausschusseier“ aus anderen Betrieben zugekauft.

Nach diesen äusserst interessanten Einblicken führt uns Andy ins Atelier seines Bruders. Dort fertigt Ivo Barmettler aus Strausseneierschalen wunderbare Lampen in allen Variationen, sowie verschiedenste Ziergegenstände. Wir sind beeindruckt, erfordert doch das Verarbeiten der Eierschalen äusserste Sorgfalt, Geschick und Geduld. Auch das zu Geldbeuteln, Etuis, Gurten etc. verarbeitete Straussenleder gefällt uns sehr. Zum Schluss des Besuchs auf seinem Betrieb offeriert uns Andy zum Apéro eine weitere Spezialität des Hauses Barmettler, nämlich einen Eierkirsch. Das süffige Getränk wird nach einem Rezept seiner Mutter hergestellt und mundet ausgezeichnet. Mit vielen tollen und interessanten Einblicken und Eindrücken verabschieden wir uns mit herzlichem Dank von Andy und seiner Straussen- und Eierfarm.